© Narrenfreunde Wendelsheim 2012
Hauptmenü
Zunft
Die Wendelsheimer Trutzkopf
Der Trutzkopf, ein Weißnarr, ist eine der Wendelsheimer Narrenfiguren. Sein Name geht auf eine Fratze
(= tier-mensch-ähnliches Wesen) zurück, die im Torbogen-Abschlußstein der ehemaligen Kelter (Zehntscheuer)
eingehauen war. Heute ist diese Fratze an der südöstlichen Seite der Kronenscheuer zu sehen. In der Nähe
befand sich die in Stein gehauene Jahreszahl 1751, woraus geschlossen werden kann, daß auch die Fratze aus
dieser Zeit stammt. Der Stein mit der Jahreszahl befindet sich heute am rechten Scheunentor der Zehntscheuer.
Zur Narrenfigur gehören Maske mit Kopfbehang, das Häs, ein Käppchen, ein rotes Halstuch, weiße Handschuhe,
schwarze Schuhe und eine Stockkarpatsche. Diese Elemente sollen nun im folgenden näher beschrieben werden:
1. Die Maske
die Maske als dominierendes Element dieser Narren besticht durch ihren
tier-menschenähnlichen Ausdruck.
Dieser ergibt sich aus
- dem großen Maul mit zwei Eckzähnen im Unterkiefer, die einen Ring halten,
der bis über das Kinn reicht,
- den wulstigen Lippen mit dem gedrehten Oberlippenbart,
- der kräftigen Nase,
- den Schlitzaugen, die schräg nach oben verlaufen, und
- den kleinen spitzen Ohren, ähnlich wie die einer Katze.
Die Wangen der Maske können sowohl als blatt- als auch als flammenförmig
beschrieben werden. Ebenso ist auf der Stirn und über den Augenbrauen ein
großes dreiteiliges Blatt erkennbar.
2. Der Kopfschmückbehang
Auf der Grundlage eines gefütterten braunen Nesselstoffes sind etwa 200-220 grüne Stoffblätter schuppenartig
aufgenäht. Die Blatt- bzw. Flammenform der Wangenpartie fortsetzend, sind zu beiden Seiten des Behanges
rot-gelbe Blätter eingearbeitet (etwa der Fläche einer großen Hand entsprechend), die sich in den grünen Blättern
verlieren.
3. Das Häs
Das Häs besteht aus einem weißen Maleranzug, der bortenartig mit
braunen geometrischen Mustern an den Säumen von Jacke,
Jackenärmel und Hose bemalt ist. Bemalt sind auch die Hosenbeine
- jeweils vorne und hinten mit einer Blattranke (braune Ranke, grüne
Blätter, braune Blattadern), wobei deren Wurzelstock nur
andeutungsweise zu sehen ist. Auf dem Rücken der Jacke ist das
Wappen derer von Sundheim mit zwei Ranken umrahmt, wie auch
- analog zur Hosenbemalung - die beiden Vorderteile der Jacke mit
jeweils einer Ranke verziert sind .Auf dem linken Ärmel umschließt eine geflochtene Karpatsche mit einem
Handgriff aus Rebenstockholz das Wendelsheimer Wappen. Am rechten Ärmel ist neben der aufgemalten
Karpatsche noch die aufgenähte Registriernummer des einzelnen Maskenträgers zu erkennen.
4. Die Stockkarpatsche
Die Karpatsche mit einer Länge von ca. 2,20 m wird von den Narren aufrecht in der Hand getragen.
Der Handgriff ist aus der Wurzel eines Rebenstockholzes gearbeitet (Wurzel = Symbol für Nahrung, Saft = Kraft),
der mit einer Messingrosette abschließt. Diese wird mit einer Rundkrause in verschiedenen Farben verziert.
Die Farben geben den jeweiligen Status (Tänzer usw.) des Maskenträgers innerhalb der Trutzkopfgruppe an.
Aus diesem Handgriff "erwächst" nun der aus Hanf geflochtene, bis zu 70 cm Höhe versteifte Teil der Karpatsche,
der wie ein Zepter getragen werden kann (Zepter = Symbol für Macht). Daran schließt sich das zum Knallen
geeignete Teilstück der Karpatsche an (Knall als symbolische Geisteraustreibung). Ausgestattet mit der Kraft und
der Macht, kann der Trutzkopf somit den Winter und damit die dunklen Mächte austreiben.
5. Das Geschell
Als Geschell trägt der Maskenträger zwei über Kreuz liegende Lederriemen mit j
eweils 13 (bei Frauen sind es 11) vernickelten Narrenrollen aus Bronzeguß.
Das Gewicht eines Stranges beläuft sich auf etwa 3 kg.
6. Das Käppchen
Wenn die Maske mit dem Kopfschmuckbehang nicht getragen wird, trägt der Narr ein gestricktes, blau-gelb
geringeltes Käppchen mit zwei Poppeln - jeweils einen gelben und einen blauen (Farben des Wendelsheimer
Wappens).