Tübinger Raup

Der "Tübinger Raup" geht auf die historisch in zahlreichen Quellen belegten Tübinger Weingärtner des 16. Jahrhunderts zurück.

Der Prototyp der Larve wurde von Kurt Nowak geschnitzt und auch bemalt und lief das erste Mal 1996. Das Häs soll der Kleidung eines Tübinger Weingärtners im 16. Jahrhundert entsprechen. Als Vorbilder wurden neben zeitgenössischen Abbildungen eine Zunftfigur aus Reutlingen, sowie mehrere in Tübingen erhaltene Darstellungen des heiligen Urban, dem Patron der Weingärtner, herangezogen. Der Entschluß, eine Tracht des 16. Jahrhunderts zu wählen, beruht auf einem in dieser Zeit historisch überlieferten Fasnetsumzug der Weingärtner in Tübingen.

Noch nach Einführung der Reformation 1534 fand trotz Verboten der weltlichen und geistlichen Obrigkeit alljährlich ein Umzug statt, bei dem die Raupa die nachfolgend aufgeführten Arbeitsutensilien mit sich führten. Dem Umzug wurde ein kreuzförmiges Gestell vorangetragen, an dem eine Brezel, ein Hering und eine Weinflasche befestigt waren. Am Ende des Umzuges folgten die auf beide Enden eines Seils verteilten Jugendlichen. Das Hin und Her dieses Seilziehens symbolisierte "des Rebwerks Art und Wesen, das bald hinter sich, bald für sich gehet, jetzt glückt, jetzt zurückschlägt, immer erarnet (erarbeitet) sein will". Dieses Fasnetsereignis wurde "Raupafest" genannt. 1590 wurden diese Fasnetsumtriebe in Tübingen als "heidnischer Unfug" vom Universitätskanzler verboten.

Sein Häs besteht aus einer Kniebundhose aus mittelbraunem Loden, die zur Zierde im Bereich der Oberschenkel mehrfach geschlitzt und mit dunkelgrünem Leinenstoff unterlegt ist. Vorne ist unterhalb des Bundes ein dreieckiger Hosenlatz aufgesetzt, der mittels zweier großer Knöpfe verschlossen wird. Die Hose wird von einem breiten Ledergürtel mit großer Gürtelschließe gehalten, der unterhalb des Bundabschlusses durch Gürtelschlaufen fixiert wird. Die Beinabschlüsse werden unterhalb der Knie mit breiten naturfarbenen Bändern umwickelt, die seitlich mit großen Schleifen abschließen. Zu der Beinbekleidung gehören außerdem rohweiße Kniestrümpfe und geschlossene schwarze Lederschuhe.

Der Kittel wird aus einem weinroten Leinenstoff mit grober Struktur geschneidert. Die Ärmel sind zur Zierde im Bereich der Ober- und Unterarme geschlitzt und mit feinem gelben Leinenstoff unterlegt. Die leicht gerafften Ärmelbündchen, sowie auch der runde Halsausschnitt sind mit einem schwarzen Stoffband eingefaßt. Der Kittel wird auf der Vorderseite durch eine Reihe großer, runder Metallknöpfe geschlossen. Unter dem Kittel wird ein Hemd aus feinem rohweißen Leinenstoff getragen, dessen stark gefältelter Kragen den Hals bis fast unter das Kinn umschließt. Über dem Kittel kann wahlweise eine einfache ärmellose Weste aus braunem Wollstoff getragen werden.

Die Larve des Tübinger Raup stellt einen in hellbraunem Farbton gehaltenen Charakterkopf mit verschmitzt lächelndem Gesicht dar. Die Nase ist als eine sich windende Raupe gestaltet. Auf der Stirn befindet sich zwischen den als Blätter des Weinstocks stilisierten Augenbrauen eine üppige Dolde mit blauen Weintrauben. Die Kopfbedeckung über dem dunkelgrau-haarigen Maskentuch besteht aus einem barettartigen Hut aus dunkelgrünem Samt.

Als Attribute führen die Tübinger Raupa wahlweise zweizinkige Weinberghauen, Knotenstöcke oder kurze Weinbergleiterchen mit sich. Am Gürtel kann eine Hape befestigt sein. Einzelne Hästräger werden außerdem mit Holzbutten oder geflochtenen Lastenkraxen ausgestattet.

Quelle: www.nz-tuebingen.de


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